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Kartenlegen und Kartomantie

Seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts werden alle möglichen Orakelmethoden vom Pendeln über Tarot, Astrologie, Chiromantie, I Ging, Lenormand Karten und viele andere mehr mit Hingabe praktiziert. Insbesondere die Kartomantie – das Kartenlegen – erfreut sich als Königsdisziplin der Esoterik großer Beliebtheit.

Spielkarten sind in Europa erst seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar, und es ist umstritten, ob sie bereits damals als Orakel verwendet wurden. Das wundervoll gestaltete Visconti-Deck kennt bereits alle Karten, die auch in späteren Decks zu den Großen Arkana gezählt werden, doch für seinen Gebrauch als Orakel gibt es keine Beweise. In den Jahrhunderten der Hexenverfolgung scheint Kartenlegen keine gebräuchliche Methode der Zukunftsschau gewesen zu sein, denn entsprechende Anklagen fehlen völlig. Erst Antoine Court de Gébelin, ein französischer Adliger und Mystiker (1725 – 1784), überrascht die staunende Fachwelt in seinem mehrbändigen Werk „Le Monde Primitif“ mit der Feststellung, dass im Tarotspiel die verloren gegangene Weisheit der Ägypter enthalten sei.



Die Entwicklung des Kartenlegens bis heute

Das achtzehnte und neunzehnte Jahrhundert griffen solche Ideen begeistert auf. Der Pariser Abbé Alphonse-Louis Constant, der unter dem hebraisierenden Pseudonym „Eliphaz Levi“ mehrere Bücher veröffentlichte, propagierte das Tarot als Weisheitsbuch von überragender Bedeutung, in dem alle Geheimnisse der hermetischen Wissenschaften verborgen seien.

Eine Idee, die in den folgenden fünfzig Jahren unter anderem von den neu gegründeten hermetischen Orden (Hermetic Order of the Golden Dawn, Builders of the Adytum) zu einer Lehre von erstaunlicher Geschlossenheit und Kohärenz ausgestaltet wurde, die dem taoistischen I Ging an Umfang und philosophischer Tiefe in nichts nachsteht. Mitglieder dieser Orden, zum Beispiel Paul Foster Case, Edward Waite, Israel Regardie und Aleister Crowley, entwickelten eigene Varianten des Tarot, die jedoch alle in der hermetischen Philosophie wurzeln. Diese Decks sind auch heute noch im Handel erhältlich und erfreuen sich großer Beliebtheit, insbesondere das Rider-Waite-Deck und die Crowley-Karten.

Heute gibt es Hunderte unterschiedlicher Decks, die entweder den Pfaden der traditionellen Tarotspiele folgen oder versuchen, gänzlich neue Wege zu beschreiten. Dabei geht es längst nicht mehr allein darum, zukünftige Ereignisse zu erfragen. In vielen modernen Tarots geht es um Selbsterforschung und Auseinandersetzung mit den eigenen Motiven und Gefühlen – ganz im Sinne des hermetischen Mottos: „Erkenne dich selbst“.