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Japanisches Blutgruppenhoroskop

„Welche Blutgruppe haben Sie?“, ist in Europa eine Frage, die man von Medizinern oder in Krankenhäusern erwarten würde. Doch wenn kein Notfall vorliegt und man auch nicht gerade bei der Blutspende vorstellig wird, ist diese Frage definitiv nicht alltäglich. Anders dagegen sieht es im Land der aufgehenden Sonne aus – denn in Japan stellt diese Frage oft den Beginn eines unverfänglichen Smalltalks dar: Fragt man in Japan nämlich sein Gegenüber nach dessen Blutgruppe, erhofft man sich davon dasselbe wie ein Europäer, der einen Bekannten nach dessen Sternzeichen fragt. Die japanische Blutgruppendeutung ist daher mit dem europäischen Horoskop gleichzusetzen. Aber wie ist es dazu gekommen?

 



Medizinforschung, NS-Ideologie und ein Liebesratgeber:
Die Geschichte der Blutgruppendeutung

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Nachdem im Jahr 1900 der Österreicher Karl Landsteiner die vier Blutgruppen A, AB, B und 0 entdeckt hatte, begannen viele Mediziner weltweit damit, diese weiter zu erforschen. Unter den wissbegierigen Ärzten befand sich auch der Japaner Hara Kimata, der 1916 eine Abhandlung veröffentlichte, in der er vorgab, eine Verbindung zwischen dem Charakter einer Person und deren Blutgruppe ausgemacht zu haben. Diese letzten Endes wissenschaftlich nicht haltbare Hypothese wurde gegen Ende der Zwanziger Jahre vom Psychologen Takeji Furukawa erneut aufgegriffen. Ähnlich wie bei der Rassenkunde der Nationalsozialisten war auch Furukawa darum bemüht, die vermeintlichen charakterlichen Neigungen bestimmter Volksgruppen über den Verweis auf deren körperliche Veranlagung wie beispielsweise die Blutgruppen zu erläutern. Diese unsägliche Ideologie geriet mit dem Ende des 2. Weltkriegs glücklicherweise in Vergessenheit.

Die allgemeine Überlegung, dass Blutgruppen auf den Charakter eines Menschen schließen lassen, wurde jedoch Anfang der 70er Jahre wieder zur Debatte gestellt, als der Journalist Masahiko Nomi seinen Ratgeber „Kompatibilität durch die Blutgruppe erkennen“ (ketsueki-gata de wakaru aishō) publizierte und sich damit 1971 einen Platz in den nationalen Bestsellerlisten sicherte. Denn obwohl auch Nomi anteilig noch auf Gedankengut Furukawas aufbaute, war sein Werk nicht mehr nationalistisch geprägt, sondern diente lediglich dazu, die Liebesfragen seiner Leser zu beantworten und ihnen zu helfen, einen passenden Partner auszumachen. Nomi, der zwar keine medizinische Ausbildung, als Medienvertreter aber ein gutes Gespür für die Selbstvermarktung besaß, wurde dank dieser und weiterer Veröffentlichungen zum gefragten Lebensberater und hinterließ seinem Sohn Toshitaka auf diese Weise ein Geschäftsmodell als Vermächtnis, das dieser mit seinen eigenen Büchern noch heute erfolgreich fortführt – und das mittlerweile auch eine ganze Riege weiterer Autoren ernährt.



Das Gemüt steckt in den Adern:
Was die Blutgruppen verraten sollen

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Ganz genauso wie den Sternzeichen anderer Horoskope werden im japanischen Raum den jeweiligen Blutgruppen, ketsueki-gata genannt, bestimmte Charakterzüge und Verhaltensmuster zugeordnet, die, sofern man diese Überlegungen für bare Münze nehmen mag, auf das Wesen eines Menschen schließen lassen. Diese Annahme ist in Japan kulturell derart verbreitet, dass Charaktere im Anime oder Manga beispielsweise gleich mit ihrer Blutgruppe in die Handlung eingeführt werden, was dem japanischen Leser unmittelbar Informationen über deren Persönlichkeit zuspielen soll, noch bevor diese überhaupt ein Wort verloren haben.

Auch in den Steckbriefen prominenter Musiker und Schauspieler in japanischen Magazinen wird man stets einen Vermerk zu deren Blutgruppe finden. Was könnte dieser landläufigen Meinung zufolge bei einem ersten Date oder Meeting also einen besseren Eindruck vermitteln, als die Frage nach der Blutgruppe des Gegenübers? Schließlich gewinnt man bei deren Beantwortung doch gleich eine Aussicht darauf, mit welcher Sorte Mensch man sich da einlässt. So oder wenigstens so ähnlich denken die meisten Japaner, wenn es um Blutgruppen geht. Doch welche Eigenschaften hat ein Mensch mit A, B, AB oder 0 nun? Was an der jeweiligen Blutgruppe abgelesen werden kann, verraten die folgenden Beschreibungen.



Blutgruppe A

Der japanischen Blutgruppendeutung zufolge gelten Personen mit Blutgruppe A unter anderem als besonders gründlich und besonnen. Sie sind höflich, rücksichtsvoll, scheuen Konflikte, sind fleißig und gelten zudem als äußerst vorausschauende Autofahrer. Zu ihren Schattenseiten zählt, dass sie häufig verkrampft, engstirnig und altmodisch sein sollen.
Lustigerweise deckt sich diese Charakterisierung erschreckend gut mit dem Bild, das viele Europäer vor Augen haben, wenn sie sich einen „typischen“ Japaner vorstellen sollen. Schenkt man dieser Beschreibung Glauben, verwundert dies jedoch nicht weiter, immerhin ist A mit etwa 40 % Bevölkerungsanteil die in Japan am meisten verbreitete Blutgruppe.

Blutgruppe B

Die Blutgruppe B steht mit einem Anteil von etwas über 20% an der japanischen Gesamtbevölkerung erst an dritter Stelle der Statistik. Über Besitzer dieser Blutgruppe heißt es in der japanischen Interpretation zum Beispiel, dass diese positiv denken, anderen gegenüber aufgeschlossen sind, eine pragmatische Einstellung besitzen und Individualisten sind. Zu ihren negativen Verhaltensmustern zählt, dass sie jedoch auch äußerst naiv bis leichtsinnig sein sollen, ihren eigenen Kopf besitzen, keinen Respekt vor Autorität haben und keine Rücksicht auf die Empfindungen ihrer Mitmenschen nehmen sollen. Anders ausgedrückt: Menschen mit der Blutgruppe B sorgen für großes Konfliktpotenzial, insbesondere in einer auf friedliches Zusammenleben ausgerichteten Gesellschaftsform.

Blutgruppe AB

Mit kaum mehr 10% ist die Blutgruppe AB in Japan am wenigsten verbreitet. Ihre Besitzer gelten dem japanischen Blutgruppendenken gemäß unter anderem als unkonventionell, sie sollen eine ausgeprägte Neigung zur Spiritualität besitzen und vor Kreativität nur so strotzen. Menschen mit der Blutgruppe AB werden zudem als ungemein sensibel beschrieben. Da verwundert es wenig, dass sich in Aufstellungen von Personen mit dieser Blutgruppe viele bekannte Künstler wiederfinden lassen. Leider gelten Menschen mit dieser Blutgruppe aber auch als anstrengende Zeitgenossen, die oft ein unberechenbares Ego besitzen.

Blutgruppe 0

Über Personen mit Blutgruppe 0 heißt es in der japanischen Blutgruppendeutung, dass diese ambitionierte Führungsqualitäten besäßen, auch in schwierigen Phasen immer den Überblick behielten und als begnadete Analytiker auch großartige Problemlöser seien. Da sie neben einer Vielzahl weiterer Aspekte auch als unverbesserliche Romantiker dargestellt werden, werden 0-Männer trotz ihres angeblich extrem ausgeprägten Besitzdenkens oftmals als optimale Beschützer und Liebhaber für A-Frauen gehandelt. In Japan ist Blutgruppe 0 aktuell mit etwa 30% Bevölkerungsanteil die am zweithäufigsten vorkommende Blutgruppe.