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Ouija

Das Hexenbrett mit den Buchstaben und Zahlenreihen darauf ist fast jedem geläufig, der sich entweder ausgiebig mit Medialität oder aber mit Horrorgeschichten befasst hat. Insbesondere wegen letzterer hat die Alphabettafel nämlich einen erstaunlich schlechten Ruf.

Der Seelenschreiber, so der gebräuchlichste Name für das Ouijaboard, gilt unter Gruselfans gemeinhin als Türöffner für das Böse, wird er doch in den Büchern und Filmen nur all zu oft von zu unerfahrenen und leichtsinnigen Menschen verwendet, die sich beim Schieben des hölzernen Dreiecks gleichwohl in ihr kollektives Verderben stürzen. Dabei ist das Hexenbrett eigentlich als Gesellschaftsspiel gedacht gewesen – und wird auch bis heute noch vom Hasbro-Konzern vertrieben.



Historisches: Die Anfänge des Ouijaboards

Der Unternehmer Elijah Bond hatte Ende des 19. Jahrhunderts die Idee, ein Brett, auf welches das Alphabet gedruckt wurde, mitsamt einer Planchette zu verkaufen. Diesen Einfall wollte er sich patentieren lassen und beantragte am 28. Mai 1890 Patentschutz. Das Ausgabedatum des Patents war der 10. Februar 1891 unter der US-Patentnummer 446,054. Bond war gelernter Anwalt und neben diesem Brett auch Schöpfer und Entwickler anderer Objekte. Vorrangig wird ihm jedoch bis heute die Erfindung der Ouija-Tafel gutgeschrieben, welche sogar die Rückseite seines Grabsteins ziert.

Ein Angestellter Elijah Bonds namens William Fuld kaufte das Patent 1892 und begann mit der Fertigung und Vermarktung eigener Platten unter dem Namen „Ouija“, die er sich gleichfalls patentieren ließ. Charles Kennard, dessen Unternehmen Fulds Hexenbretter zunächst herstellte und bei dem Fuld Jahre zuvor als Lackierer gearbeitet hatte, behauptete, dass er den Begriff „Ouija“ bei der Verwendung des Brettes erlernt habe und dass es ein altägyptisches Wort mit der Bedeutung „viel Glück“ sei. Als Fuld die Produktion der Bretter endgültig selbst übernahm, bemühte er sich, diese etymologische Grundlage abzuwandeln und erklärte, dass der Name aus einer Kombination der französischen und deutschen Wörter für „ja“ entstanden sei.

Der Name Fuld wurde auf diese Weise bereits in einem Atemzug mit dem Ouija-Brett genannt, als der Produzent seine Geschichte abermals revidierte und behauptete, er selbst habe die Alphabettafel erfunden. Doch das seltsame Gerede über die Bretter von Fulds Konkurrenten überschwemmte längst den Markt, und alle Talking Boards genossen von den 1920er bis in die 1960er Jahre eine wahre Blütezeit. Noch bis zu seinem Ableben im Jahr 1927 verklagte Fuld viele dieser Firmen wegen des Namens und des Konzeptes hinter „seinem“ Ouijaboard. Anno 1966 verkauften Fulds Erben das gesamte Geschäft schließlich an die Parker Brothers, welche die Produktlinie 25 Jahre später wiederum an Hasbro abtraten, das bis heute alle zugehörigen Marken und Patente betreut. Aktuell werden rund zehn Varianten des Talking Boards unter verschiedenen Namen verkauft.



Vom Spiel zum Seelenschreiber: Das Ouijaboard in der Hand spiritueller Bewegungen

Nach seiner kommerziellen Einführung durch den Geschäftsmann Elijah Bond wurde das Ouija-Brett zunächst als ein simples Gesellschaftsspiel angesehen, das nichts mit dem Okkulten zu tun hatte. Das änderte sich schlagartig, als die amerikanische Spiritistin Pearl Curran die Verwendung der Hexenbretter bei Séancen während des Ersten Weltkriegs popularisierte. Damit knüpfte sie an die bereits vor der Patentierung des Ouijaboards übliche Praxis der Spiritisten an, Talking Boards beim Gläserrücken zu verwenden. Damals wie heute glauben Anhänger der spirituellen Bewegungen daran, dass Tote in der Lage seien, über die Alphabettafel mit den Lebenden in Kontakt zu treten und auf diesem Weg eine schnellere und unverfälschtere Kommunikation mit der jenseitigen Welt möglich sei als beispielsweise beim Channeling.

Das Ouijaboard, das Spiritisten verwenden, entspricht dabei dem des kommerziellen Hexenbrettes, auch wenn manche ihre Bretter selbst fertigen oder sie zumindest lackieren, um sich von der Spielzeugversion abzugrenzen. Es handelt sich jedoch immer um eine flache Tafel, die mit den Buchstaben des lateinischen Schriftsystems, den Ziffern 0-9, den Wörtern „Ja“, „Nein“ und „Auf Wiedersehen“, zusammen mit verschiedenen Symbolen und Grafiken versehen wurde. Gelegentlich erscheint auch das Wort „Hallo“ auf einer Alphabettafel, diese Variante ist jedoch weniger geläufig. Zur Kommunikation benutzen die Fragensteller ein kleines herzförmiges bzw. dreieckiges Stück Holz oder Plastik, das den Namen Planchette trägt. Die Teilnehmer einer Ouijaboard-Séance legen sodann locker ihre Finger auf die Planchette und sie wird in lose kreisenden Bewegungen über das Brett bewegt, um Wörter zu formulieren.

Laut Spielehersteller Hasbro sollen sich die Spieler mit den Fragen abwechseln und dann darauf warten, „was die Planchette buchstabiert“. Diese sehr allgemein gehaltenen Regeln lösen bei aufgeschlossenen Spiritisten Bauchschmerzen aus, denn in ihren Augen gibt es bei der Kommunikation mit dem Seelenschreiber diverse Regeln einzuhalten. So soll man unter keinen Umständen allein mit dem Hexenbrett Kontakt aufnehmen, bei der Séance dafür Sorge tragen, dass alle Beteiligten nüchtern und psychisch stabil sind und keinesfalls das Gespräch beenden, ohne zuvor das Feld mit der Abschiedsfloskel auszuwählen. Das Regelwerk im Zusammenhang mit den Alphabettafeln ist derart umfangreich, dass ein Gros der modernen Spiritisten sogar davon abrät, das Brett ohne die Anwesenheit eines erfahrenen Mediums bzw. Okkultisten zu verwenden. Auch christliche Gruppen warnen vor den vermeintlich satanischen Holzbrettern, die nach ihren Befürchtungen bösen Mächten in ungeübter Hand Tür und Tor öffnen können.



Fakt oder Fiktion: Die wissenschaftliche Deutung des Ouija-Phänomens

Die übliche Erklärung für die Funktion eines Hexenbrettes liefert die Neurologie: So soll allein das bloße Denken an bzw. auch die Beobachtung einer Bewegung dazu führen, dass im Gehirn motorische Zentren aktiviert werden, die wiederum veranlassen, dass die Muskeln die betreffende Bewegung kaum merklich vollziehen. Wenn also die Teilnehmer der Séance die Planchette des Ouijaboards in Erwartung einer Bewegung berühren, dann üben sie – wenn auch ohne es zu wollen – durch jene kleinsten Muskelbewegungen Druck auf diese aus und setzen die vermeintlich geisterhafte Kommunikation so in Gang. Da es sich um unterbewusste Prozesse handelt, kann bei den Beteiligten ohne Weiteres der Eindruck entstehen, die Planchette bewege sich wie von Zauberhand. Eine Erklärung für die oftmals sehr kontroversen bei Séancen dokumentierten Gespräche ist zudem, dass die „Botschaften aus dem Jenseits“ aus einem komplexen gruppendynamischen Wechselspiel zwischen den Erwartungshaltungen der einzelnen Teilnehmer erwachsen. Zudem werfen Skeptiker gerade den professionellen Seelenschreiber-Nutzern auch gerne vor, in ihren Planchetten Magnete zu verbauen, mit denen sie ihre oftmals verzweifelten Kunden an der Nase herumführen und diese womöglich mit ihren Sitzungen noch um viel Geld bringen. Welcher Seite man letztlich glauben mag, hängt ganz vom eigenen Naturell ab – Fakt ist jedoch, dass der Mythos um das Ouijaboard die Menschen seit mehr als 125 Jahren fasziniert.