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Wicca

Hinter der Bezeichnung „Wicca“ verbergen sich gemeinhin Gruppierungen, die einer bestimmten neuheidnischen Mysterienreligion zuzurechnen sind, die sowohl von vorchristlichen europäischen als auch von außereuropäischen Strömungen geprägt wurde und deren Rituale adaptiert bzw. sich zumindest an diesen orientiert.

Im deutschsprachigen Raum wird der Obergriff Wicca häufig auch als Synonym für „Hexe“ gebraucht. Etymologisch entstammt das Wort dem Angelsächsischen, wo die Begriffe wicca (maskulinum) und wicce (femininum) den Hexer bzw. die Hexe bezeichnen. Das doppelte C wird dabei wie „tch“ ausgesprochen und ist damit der unmittelbare Vorläufer des englischen Wortes „witch“ (Hexe).

 



 

Die Aufhebung des Hexerei-Verbots und die Folgen:

Eine kurze Geschichte des Wicca

Wicca Ritual

 

Die ersten Wicca-Gruppen versammelten sich etwa in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts im Vereinigten Königreich, nachdem der „Witchcraft Act“ von 1735 abgeschafft worden war, der noch bis 1951 Hexerei unter Strafe gestellt und verboten hatte. In die Zeit dieses Beschlusses fielen die Veröffentlichungen der Werke des englischen Beamten Gerald Brosseau Gardner. Dieser verfasste die Schriften High Magic’s Aid (1949), Witchcraft Today (1954) und The Meaning of Witchcraft (1959), welche in der Folge den Grundstein für den englischen Wicca-Kult bilden sollten und zum Teil sogar die literarische Vorlage für manche der Rituale späterer Hexenzirkel stifteten. Gardner, der nach eigenen Angaben wiederum auf die Bücher Charles Lelands Bezug nahm (u.a. Aradia, or the Gospel of the Witches, 1899), deren Inhalte über Jahrzehnte die einzige Informationsquelle für einen bestehenden Hexenglauben dargeboten hatten, gab darin zu Protokoll, schon seit 1936 dem New-Forest-Coven anzugehören.

Maßgeblichen Einfluss auf die Überzeugungen Gardners hatten auch die Publikationen Margarete Alice Murrays (u.a. The Witch-Cult in Western Europe, 1921, bzw. The God of the Witches, 1931). Die Möglichkeit einer direkten Verbindung zwischen Aleister Crowley, dessen Ordo Templi Orientis (O.T.O.) und Gerald Gardner ist dagegen nicht ausreichend belegt. Auch ob Gardner sich womöglich ganz allein den Titel „König der Hexen“ verlieh, um auf diese Weise eine Position an der Spitze der gesamten Wicca-Bewegung zu schaffen und einzunehmen, ist ebenfalls eine umstrittene Theorie.

Die Wicca-Bewegung expandierte zunächst jedoch ausschließlich in englischsprachigen Gefilden. So machte das Ehepaar Raymond und Rosemary Buckland, die beide Schüler Gardners waren, die Prinzipien des britischen Wicca in den Vereinigten Staaten bekannt, wo sich diese binnen kürzester Zeit etablierten und wiederum in neue Traditionen und Gemeinschaften mündete. So wurde ab 1960 eine Vielzahl von Hexenzirkeln gegründet, wofür sich die Hexe Sybil Leek verantwortlich zeigte. Im Jahr 1968 begründeten Gavin und Yvonne Frost in West Virginia schließlich die Church and School of Wicca, die vom Staat als offizielle Religion anerkannt wurde und die erste große US-amerikanische Anlaufstelle für Wicca wurde. Anno 1972 wurde dann zudem noch der „Religious Order of Witchcraft“ von der Hohepriesterin Mary Oenida Toups gegründet, der eine weitere wichtige Instanz für die Anhänger des Kultes werden sollte.

Nachdem der Neopaganismus ab den 70er-Jahren in Deutschland zunehmend mehr Anhänger gewinnen konnte, bildeten sich dort bald die ersten Gemeinschaften, die sich an den internationalen Wicca-Strömungen orientierten. Von einer deutschen Wicca-Bewegung kann jedoch erst ab den 80er-Jahren wirklich gesprochen werden, da sich erst zu dieser Zeit tatsächliche Covens nachvollziehen lassen.



Moderne Hexenzirkel: Die Covens der Wicca

wicca isle of wight

 

Gruppen praktizierender Wicca ordnen sich meist in sogenannten Covens (bedeutet so viel wie Versammlung), die höchstens 13 Mitglieder besitzen und in den meisten Fällen gemischtgeschlechtlich sind, es sei denn, es handelt sich um einen feministischen Coven der Strömung Dianic Wicca. Um die Mitgliedschaft in einem solchen Coven zu erlangen, muss der Bewerber einen speziellen Initiationsritus in die Wicca-Traditionen und die Praktiken des gewünschten Covens durchlaufen.

Hierbei gibt es üblicherweise drei Einweihungsgrade: In der ersten Stufe erhält der Kandidat eine allgemeine Auskunft über den Wicca-Glauben und wird im Anschluss daran (auf Basis der gardnerischen und alexandrischen Überlieferung) entweder als „Hexe“, als „Priester“ oder aber als „Priesterin“ betitelt.

Erfolgt auch die Initiation auf die zweite Stufe, trägt der Eingeweihte nun die Bezeichnung „Hohepriester“ bzw. „Hohepriesterin“ und darf deshalb sowohl durch Rituale führen als auch Wicca-Gläubige ersten Grades anleiten.

Die Initiation in den dritten Grad erfolgt in einem Gros der Wicca-Strömungen ausschließlich bei Paaren. Diese Personen erhalten damit die Erlaubnis, einen eigenen Coven zu eröffnen und persönlich neue Mitglieder zu akquirieren und zu initiieren. Eine Hohepriesterin der dritten Stufe, der die Leitung mindestens dreier Covens obliegt, wird “Hexenkönigin“ genannt. Die Gebote hinsichtlich der Initiation als auch die Abnfolge der Hierarchie im Zirkel varriert dabei jedoch je nach der Tradition, auf welche sich der einzelne Coven beruft: So findet beispielsweise das eben vorgestellte Gradsystem in der bekannten Strömung des Reclaiming Wicca überhaupt keine Anwendung.

 

 

 



Von der Großen Göttin zum Buch der Schatten:

Die wichtigsten Elemente der religiösen Praxis

Wicca Runen

Die Wicca-Bewegung wird in der Hauptsache durch ihren großen Facettenreichtum geprägt und besitzt deshalb kaum einen allgemein gültigen Konsens, auf den sich sämtliche Zirkel berufen. Zentrale Motive existieren jedoch dennoch, so beispielsweise in der Anbetung der sogenannten „Großen Göttin“, die wie in der christlichen Gottesvorstellung Trinität besitzt, da sie immer Jungfrau, Mutter und alte Weise ist. Je nach Gestalt der Göttin werden ihr verschiedene Eigenschaften, Elemente, Farben, Symbole und Titel zugeordnet. Der Partner dieser Göttin ist in den meisten Wicca-Strömungen der Gehörnte, ein Fruchtbarkeitsgott, den man trotz einer Ähnlichkeit in der Darstellung nicht mit dem Teufel verwechseln darf. In den rituellen Praktiken der Wicca nehmen ein männlicher und ein weiblicher Priester die Rollen von Gott und Göttin stellvertretend ein. Wie bei anderen neopaganen Vereinigungen wird die Natur auch im Wicca-Glauben als Ausdruck purer Göttlichkeit verstanden, mit denen die Anhänger des Kultes sich in der Zeremonie verbinden können, um beispielsweise magische Prozesse in Gang zu bringen.

Üblicherweise orientieren sich die Anhänger eines Covens an einem individuellen „Buch der Schatten“, das sowohl die für den jeweiligen Zirkel gültigen Glaubensgrundsätze sowie das Zeremoniell und die zugehörigen Rituale dokumentiert. In der religiösen Praxis der Covens finden sich abhängig von der übergeordneten Strömung und den Interessen der Mitglieder zudem auch Aspekte des Schamanismus, des Tarots sowie diverser Meditationstechniken, beeinflusst auch dadurch. Für Versammlungen werden gern antike und/oder der Natur entsprungene Kultstätten ausgewählt (im deutschen Raum z.B. die Externsteine bei Paderborn).

Im Jahr der Wicca sind acht Feste verzeichnet, die im Kult begangen werden: Dazu gehören die vier Sonnenfeste, d.h. die Tag- und Nachtgleichen sowie die Sonnenwenden eines Jahres und zusätzlich vier weitere Feste, die keltischen Ursprung besitzen. Es handelt sich dabei um Imbolc am 2. Februar, Beltane am 1. Mai, Lammas am 1. August und Samhain am 1. November. Weiterhin sind für Wiccas Vollmondfeiern (auch Esbats genannt) von großer Bedeutung. Diese sind zumeist dem Coven vorbehalten und werden für magische Prozesse genutzt.



Echte Überzeugung oder flauschiges Häschen:
Die vielen Ausrichtungen des Wicca-Glaubens

Im Lauf der vergangenen Jahrzehnte hat sich eine Menge unterschiedlicher Strömungen des Wicca-Kultes ergeben, die sich jeweils durch ihren Ursprung, bestimmte Facetten ihrer Überzeugung und rituelle Aspekte voneinander abgrenzen lassen. Einige der wichtigsten Richtungen des Kultes sind:

  • Alexandrian Wiccas
    Dieser Glaubenszweig ist durch Alex und Maxine Sanders ins Leben gerufen worden. Alex Sanders soll nach dem Ableben Gerald Gardners aufgrund eines Votums der HohepriesterInnen zum „König der Hexen“ ernannt worden sein. Ursprünglich galt diese Abteilung des Wicca als Schisma, inzwischen ist sie als gängige Lehrmeinung in den Glaubenskanon aufgenommen worden. Viele Covens wie auch Einzelpersonen sind sowohl in der Alexandrian- als auch der Gardnerian-Linie initiiert, da diese eng miteinander verbunden sind, so zum Beispiel die Algard Wiccas.
  • Dianic Wiccas
    Bei dieser an den Diana-Mythos angelehnten Strömung, die eine Vielzahl von Untergruppen besitzt, steht die (Mutter-)Göttin so stark im Mittelpunkt, dass manche Gruppen den männlichen Aspekt der Göttlichkeit in ihren Zeremonien sogar komplett ausklammern.
  • Gardnerian Wiccas
    Die Rituale dieser Glaubenslinie berufen sich auf die Überlieferungen Gerald Gardners und die vorgegebenen Initiationen werden von den Beteiligten pflichtbewusst an die jeweils nächste Generation weitergegeben.
  • Hereditary Wiccas
    Diese Gruppierung glaubt an die Vererbung des Hexenglaubens und sieht ihre religiösen Vorstellungen daher als bedeutsames Familiengut. Aufgrund dieser Überzeugung stellt diese Ausrichtung eine nach außen hin deutlicher abgetrennte Variante der Wicca-Bewegung dar.

Es besteht ein fließender Übergang zu feministischen, teils auch politisch und insbesondere ökologisch motivierten Wicca-Verbänden, die ideologisch oft in enger Verbindung mit den Ideen der US-amerikanischen Autorin Zsuzsanna Budapest und deren Elevin Starhawk (eigentlich Miriam Simos) stehen (vgl. hierzu Reclaiming Wiccas). Zusätzlich sprechen ordentliche Wicca-Anhänger selbst abschätzig von sogenannten Fluffy Bunnys, wenn sich Mädchen im Teenageralter vermeintlich zum Hexentum bekennen, weil sie durch Fernsehserien wie Buffy, Charmed oder Sabrina – Total Verhext von der Existenz des Wicca erfahren haben und sich in der Folge mit Büchern aus der Feder von Silver RavenWolf, die im Neopaganismus weitestgehend geächtet sind, über das Konzept des Glaubens informiert haben wollen.

Diese selbsternannten Wicca zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine recht eindimensionale Definition von Magie und Wicca vertreten und zudem falschen Tatsachen Glauben schenken, was den Wicca-Kult betrifft. So glauben Fluffy Bunnys unter anderem daran, dass es sich beim Wicca um eine jahrtausendealte Religion des Matriarchats handelt, dass während der Hexenverfolgung 9 Millionen Frauen ihr Leben ließen und dass in der Stadt Salem Hexen verbrannt wurden. Diese vermeintlichen Fakten sind historisch jedoch nicht haltbar und werden von der Wicca-Gemeinschaft regelmäßig aufgegriffen und als Fehlinformation eingestuft.



Abseits der britischen Tradition: Wicca-Kulte in Deutschland

Wirft man einen Blick auf die organisierten Wicca-Gruppen Deutschlands, stellt man fest, dass es zuzüglich zu den soeben beschriebenen britischen Traditionsströmungen zwei weitere beliebte Formationen gibt. Das wären zum einen die Merlian Wiccas, die nach eigenen Angaben auf den Spuren des mythischen Zauberers Merlin wandeln, und zum anderen eine prominente Gruppe namens The Fellowship of Isis, die Bezug auf den in der ägyptischen Antike verbreiteten Isiskult nimmt. Weiterhin findet die in Anknüpfung an die Dianische Tradition propagierte Feen- bzw. Reclaiming-Strömung nach Starhawk in der Bundesrepublik großen Anklang. Die Verbreitung des Wicca-Kults in Deutschland wurde in den letzten Jahren außerdem vermehrt durch den Einfluss der Neuen Medien begünstigt, über welche sich die deutschen Anhänger des Kultes organisieren, austauschen und mittlerweile sogar ausbilden lassen können.

Häufig wird die Hexenreligion im deutschsprachigen Raum wegen Ereignissen aus der Zeit der Christianisierung jedoch selbst heute noch fälschlicherweise mit dem Satanismus in Verbindung gebracht, der jedoch nichts mit den tatsächlichen Praktiken und Überzeugungen der Wiccas gemein hat, auch wenn beide Glaubensgemeinschaften mit ähnlichen Symbolen hantieren, wie beispielsweise dem Drudenfuß.



Struktur und Ausrichtung der Wiccas im europäischen Raum

Einige der Wicca-Gruppierungen vereinen sich in Netzwerken mit anderen neuheidnischen Glaubensrichtungen wie germanischen, keltischen oder schamanischen Formationen. Während die Mehrheit dieser neopagan Gläubigen insgesamt entweder links-ökologische Moralanschauungen besitzt oder aber gänzlich unpolitisch und ausschließlich spirituell einzuordnen ist, gibt es auch neuheidnische Radikale, die sich auf völkisch-germanische Traditionen berufen und somit Teil der neofaschistischen Szene sind. Zu dieser bedenklichen Ausrichtung des Neuheidentums zählt beispielsweise der Kölner Armanenorden, der als ariosophisch und antisemitisch einzustufen ist und Kontakte zu vom Verfassungsschutz beobachteten Organisationen wie der Artgemeinschaft unterhält. Diese extreme Strömung bildet im Wicca jedoch eher die Ausnahme, denn eigentlich ist der Grundgedanke des modernen Hexentums pazifistischer und toleranter Natur.

In Europa findet jährlich eine exklusive Zusammenkunft der Wiccas statt, die den Namen Pan European Wiccan Congress (PEWC) trägt. Eine Dachorganisation für die Wicca-Gemeinschaft in Deutschland konnte sich bis dato jedoch noch nicht etablieren. Länderübergreifend agierende Netzwerke gibt es dagegen durchaus, darunter die Pagan Federation Deutschland – Österreich – Schweiz (abgekürzt PF D.A.CH.), der Rabenclan e. V., der die Interessen naturreligiöser Menschen vertritt, zu denen auch die Wiccas gehören, und zu guter Letzt Steinkreis – pagan network e. V..



Die Verbreitung des Wicca-Kults in Deutschland: Die Krux mit der Statistik

Genauso wie es zum jetzigen Zeitpunkt keine genaue theologische Dokumentation darüber gibt, was sich unter dem Begriff „Wicca“ im Einzelnen verbirgt, gibt es auch keine verbindliche Statistik zu Mitgliederzahlen der Wicca-Bewegung. Dies ist zum einen im vorwiegend autonomen Charakter der Wicca-Strömung in Deutschland begründet und hängt zum anderen am Vorhandensein zahlloser sog. „solitaries“, d. h. allein praktizierender Wiccas, die sich zudem aus verschiedenen Motiven heraus nicht immer offiziell zu ihrem Glauben bekennen. Zu diesen kommen darüber hinaus eine große Zahl von „Freiflüglern“, also nicht an die Tradition gebundene Hexen, hinzu, die sich persönlich nicht zur Wicca-Bewegung zurechnen, obwohl sie durchaus ähnliche, wenn nicht sogar dieselben Rituale und Zeremonien durchführen.

Für die Bundesrepublik wird zuweilen eine Summe von 100.000 oder mehr offiziell praktizierenden Wiccas angenommen, wohingegen andere Quellen lediglich von mehreren Zehntausend Wiccas ausgehen, die sich in den weltweit bestehenden Covens organisieren, so dass es in Deutschland wohl gerade mal wenige Tausend Wiccas geben dürfte. Die Kulturwissenschaftlerin und Dokumentarfilmerin Jennifer Kunstreich geht in ihrer Magisterarbeit „HexeSein im 21. Jahrhundert“ davon aus, dass aktuell gerade mal 400 Wiccas in Deutschland in Covens zusammenfinden.

Wicca besser verstehen: Die wichtigsten Schriften der Glaubensgemeinschaft

Folgende Bücher gelten als die wichtigste Lektüre für Interessenten und Anwärter des Wicca-Kultes, da sie einen guten Einblick in die Prozesse des modernen Hexentums geben:

  • Gerald Brousseau Gardner: Witchcraft Today (1954)
  • Starhawk: The Spiral Dance: A Rebirth of the Ancient Religion of the Great Goddess (1979)
  • Vivianne Crowley: Wicca: The Old Religion in the New Age (1989)